
Ein nahezu vergessener Prototypen: Der Indienpanzer jedoch, er ist Fiktion und wurde keineswegs in dieser Form realisiert.
Es ist eine Herausforderung aus verschiedenen Bausätzen etwas Neues zu schaffen, das weder in Größe, Form noch im Gesamtbild an Realität einbüßt und vor allem nicht übertrieben daherkommt.
In verschiedensten Publikationen und auch Veröffentlichungen im Internet wird darüber berichtet, dass sich deutsche Panzerkonstrukteure zu Beginn der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts mit der Planung eines mittleren Kampfpanzers für die junge Republik Indien beschäftigten. Dies Projekt wurde jedoch weder umgesetzt noch fortgeführt. Jedoch jene grundlegenden neuen Ideen wurden bewahrt und flossen später in die Entwicklungsarbeiten ein, die zum bundesdeutschen Leopard-Panzer führten.
So entstand die faszinierende Idee aus verschiedenen Militärfahrzeugbausätzen etwas Neues zu schaffen. Es galt ein Kampfpanzermodell zu kreieren, das jenem „Indienpanzer“ ähnelt, und dabei das typische Aussehen und die technologischen Entwicklungen deutscher Ingenieurskunst im Panzerbau der 40er Jahre mit jenen neuen Erkenntnissen der 50er Jahre vereint. Ingenieurbüros und Firmenkonsortien aus dem Raum Stuttgart waren nicht unerheblich vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Entwicklung und dem Bau von Militärfahrzeugen beteiligt. Dies traf auf jenen Indienpanzer ebenso zu wie auch Jahre später beim mittleren Leopard - Kampfpanzer für die Bundeswehr.
Aus diesen Bausätzen etwas neues zu kreieren, verlangt Krativität und ist Herausforderung zugleich.
Die kleinen Stücke Plastic Sheet sind alle Änderungen an den beiden Ober- und Unterwannen ! Mehr ist es nicht.
Folglich stellte ich mir die entscheidende Frage, ob sich die Unterwanne mit Fahrgestell eines Leopard 1 Modellbausatzes mit jener Oberwanne eines Tiger B oder E-75 verbinden ließe. Deren Winkelstellung der Bugplatten als auch die nach innen und unten weisende Heckpartien harmonisierten besser als mit jener eines Panther-Panzers. Um das Aussehen dieses neuen Kampfpanzers auch in seiner Silhouette erheblich zu verändern, eignete sich der „Einheitsturm Reichswerke H.G.“ der belgischen Firma Paper-Panzer-Productions.
Ergänzend wurde die Motorsektion gleichfalls mit dem Einbau eines Gasturbinenantriebs „GT 103“ verändert. Dieser Antrieb wäre eine Fortentwicklung für Landfahrzeuge gewesen und aus dem Jumo 003 Triebwerk der Me 262 abgeleitet worden. Mit überraschend wenigen Arbeitsschritten im Ausfüllen von kleinen Lücken und Schlitzen passte die modifizierte Oberwanne des E-75 (Trumpeter) auf die Unterwanne und das Fahrwerk eines Leopard 1 (Italeri).
A: Turm mit 88mm Geschütz
Die Kolorierung dies Panzerprojektes erfolgte in folgender Reihenfolge
A: Zuerst mit dem Painting Set für olivfarbene Militärfahrzeuge von Vallejo, wie es in den 40er und frühen 50er Jahren bei der US-Army üblich war.
B: In den tieferliegenden Sektionen des Fahrzeuges mit einer vorangegangenen intensiven Grundierung in Schwarz.
Es blieben zwei Fragen, die es noch zu klären galt. Frage 1, welche Farbgebung hätte ein Fahrzeug der frühen fünfziger Jahre erhalten ? Die Antwort hierauf ist recht einfach: olivgrün, wie es seinerzeit im Westen insbesondere wegen der US-Army üblich war. Die Frage 2 bezieht sich auf Markierungen. Die deutsche Bundeswehr existierte vor 1956 nicht. Nationale deutsche Insignien schließen sich daher aus. Wie also ein Militärfahrzeug kennzeichnen oder welche Zulassungsschilder wären zeitgemäß korrekt ?
Wegen des Engagements von Porsche in allen vorgenannten Entwicklungen könnte also mein Panzermodell einen Prototyp von Porsche aus Stuttgart darstellen. In den ersten Jahren der neuen Bundesrepublik Deutschland bis 1956 trugen alle Fahrzeuge amtliche Zulassungen mit weißer Schrift auf schwarzem Grund, die sich nach den Besatzungszonen richteten. So zeigt mein Prototyp die Nummernschilder des amerikanischen Sektors in Westdeutschland mit den alphabetischen Zeichen für die Stadt Stuttgart.
C: Zur Betonung von Kanten, Schrauben, Nieten, Scharniere etc. unter Verwendung von Humbrol-Enamel Farbe Nr. 187 "Matt Dark Stone".
Fazit
Mit wenig Aufwand ließ sich eine interessante Idee durch Kit-Bashing umsetzen, wodurch ein außergewöhnlich Fahrzeug entstand, das in keinem militärischen Konflikt eingesetzt war.
Der Projektpanzer mit 105mm Geschütz
A: In der Heckansicht. Erkennbar die Veränderungen durch den Gasturbinenantrieb auf dem Motordeck und an der Heckwand.
A: In der Heckansicht. Erkennbar die Veränderungen durch den Gasturbinenantrieb auf dem Motordeck und an der Heckwand.
Der Projektpanzer mit 88mm Geschütz
Diese Diashow zeigt den Indienpanzer in diversen Ansichten mit den Geschützen 88mm, 88mm mit Rauchabsorber und 105mm. Zurück lehnen und die Bilder auf sich wirken lassen. Viel Vergnügen dabei.
Historie
Die Planungen für einen mittleren Kampfpanzer der Republik Indien waren durch deutsche Industrieunternehmen bereits vor 1955 aufgenommen worden. Es war der Versuch, aus der Nachkriegszeit heraus wieder den Anschluss an den durch die USA und UdSSR dominierten Weltmarkt zu erhalten. So erstellte Daimler-Benz der indischen Regierung ein Angebot für einen mittleren Kampfpanzer, bei dem u.a. die Firmen F. Porsche KG und Ruhrstahl AG eingeschaltet waren. Die Fertigung sollte mit einem jährlichen Ausstoß von 100 Fahrzeugen in Indien erfolgen. Das Projekt jedoch zerschlug sich und die 1954 / 1955 erarbeiteten Unterlagen erlaubten es der F. Porsche KG jedoch, sich sofort an den Ausschreibungen für einen neuen Kampfpanzer der Deutschen Bundeswehr zu beteiligen, der den als Erstausstattung von der US-Seite erworbenen M-47 ablösen sollte.
Auf einen Blick:
Panzerkampfwagen – „Prototyp“ kreiert aus
Kit 1 Leopard 1 A 4
Nr. 224 Maßstab: 1:35 Hersteller: ITALERI
Kit 2 German E-75 Flakpanzer
1539 Maßstab: 1:35 Hersteller: TRUMPETER
Kit 3 Einheitsturm Reichswerke H.G.
35021 Maßstab: 1:35 Hersteller: Paper Panzer Prod. (nicht mehr marktverfügbar)
Kit 4 GT-103 Gas Turbine
35017 Maßstab: 1:35 Hersteller: Paper Panzer Prod. (nicht mehr marktverfügbar)
Zusätzlich verwendete Materialien:
Klebstoff: Italeri Plastikkleber & Uhu Sekundenkleber (jeweils mit Pinsel), MEK Modellglue.
Farben: Vallejo AFV Painting System „US Army Olive Drab“ ( 78.402), Humbrol 187 “Matt Dark Stone” sowie Vallejo Model Air Nr. 71.057 Schwarz, 71.059 Mattlack; Vallejo Wash 521 Oiled Earth.
Literaturempfehlung:
„Die Kampfpanzer Leopard und ihre Abarten“ Band 1 der Serie Militärfahrzeuge von Walter J. Spielberger erschienen im Motorbuch Verlag
Autor
Text: Lothar Limprecht
Fotos: Lothar Limprecht


















