
Spezialpanther
Bausatz: Tamiya Nr. 174 German Panther Type G Steel Whell Version
Massstab: 1/35
Bausatz: Paper Panzer Productions Nr. PPP35030 Upgrade & Conversions
Massstab: 1/35
(Production eingestellt)
Autor:
Text: Lothar Limprecht
Fotos: Lothar Limprecht (sofern nichts anderes angegeben)
Außergewöhnliche Fahrzeuge brauchen auch eine außergewöhnliche Geschichte
Es war die Forderung des Generaloberst Guderian nach einer höherer Produktionsrate wirkungsvollerer Kampfpanzer wie den Panther, die die „What-if“- Idee anstießen, dass sowohl tschechische als auch französische Produktionsstätten durchaus in der Lage gewesen wären, komplette Oberwannen für den PzKpfw V zu gießen. Da sich in Marienfelde bei Daimler-Benz eine der deutschen Produktionsstätten für den Panzer V und zudem in Spandau bzw. Charlottenburg das Elektrounternehmen Siemens befanden, entstand die Idee einen außergewöhnlichen Panther zu kreieren.
Anhand dieses Vorspanns entwickelte ich mir eine ungewöhnliche Geschichte. Im Zuge des Viermächtestatus der ehemaligen Reichshauptstadt Berlin breitete sich der Britische Sektor interessanterweise dort aus, wo sich zuvor die Siemenswerke befanden. Was wäre also, hätte die Sowjetarmee nach der Einnahme Berlins einen verschütteten Tiefbunker, benennen wir ihn einfach mit dem weiblichen Vornamen „SIEGLINDE“, wie es die Nomenklatur der damaligen Reichsregierung für tiefe Keller vorsah, nicht entdeckt. In den Jahren 1955/56 erfolgten in Spandau im Bereich der Nonnendammallee umfängliche Baumaßnahmen und Sanierungen an Fabrikgebäuden der Siemenswerke. Unterhalb des Laborgebäudes der Stoßstrom-Prüfanlage entdeckte man folglich einen Tiefkeller. In diesem stand nahezu unversehrt ein komplett erhaltener Panzer V Panther mit einem ungewöhnlichen, völlig unbekannten Turm. Den vor Ort vorgefundenen Aufzeichnungen nach, war für diesen mit einer Ladeautomatik und Tag- und Nachtsichtausstattung versehenen Turm der Deckname „NOTHUNG“ gewählt worden – sehr passend nach jenem Schwert Wotans aus Richard Wagners „Ring der Nibelungen“, das die Götterdämmerung und somit das Weltgericht ankündigt. Verblüfft waren vor allem die leitenden Angehörigen der britischen Streitkräfte, die dieses Objekt sofort bergen und konfiszieren ließen, von dem erkennbar, schwarz-grünen Tarnanstrich, der sich just für die britischen Streitkräfte in den ersten Entscheidungsphasen befand und später kennzeichnend für die BAOR (British Army Of the Rhine) wurde. Der Panther war augenblicklich von der britischen Besatzungsmacht vereinnahmt und als Teil der „Berlin Brigade“ gekennzeichnet worden … was wäre wenn. „What-if“ eben.
Tipps aus dem Zusammenbau
Die Oberwanne des Conversion Set ist auf Panther von „Dragon“ ausgelegt. Da bei diesem lediglich das Fahrgestell und einige Zurüstteile hätten Verwendung finden können, kam es mir auf einen Mehrwert an. Dieser Mehrwert ist mir nur durch Tamiya’s Panther Ausf. G mit Stahllaufrollen wegen der Infrarotnachtsichtgeräte gegeben.
In Folge dessen habe ich die Mehrarbeit des An- und Einpassens der Oberwanne an die Unterwanne des Tamiya Panthers in Kauf genommen. (1-3).
1) Der UMBAUSATZ IST AUF Dragon Modell ausgelegt und daher muss die Tamiya Unterwanne dem angepasst werden.
Die Zentrierung des Turmes (4-5) ist absolut keine Herausforderung, zumal der Drehkranz bestens passt.
Die spezifische Besonderheit der Tamiya Bausätze ist jedoch, dass man Einzelketten als auch PE-Gitter hinzukaufen muss, denn diese sind nicht im Bausatz selbst enthalten. An den Ketten kommt man letztlich nicht vorbei. Bei den Lüftergrätings vermag man sich aber leicht zu behelfen:
- Allzu oft fehlen die für Lüftergrätings so dringend benötigten Abdeckgitter. Gerade für die deutschen Fahrzeuge bietet sich eine einfache Hilfe an, die nahezu in jedem Haushalt verfügbar ist. Die Mischdüsensets für die Wasserhähne in Waschbecken oder Badewannen beinhalten ein mehrstufiges Set von Gittern aus Metall bzw. Kunststoff. Gerade jene mit rechtwinkeligen Strukturen haben die passende Größe für deutsche Panzermodelle des Maßstabs 1:35, die es zu nutzen gilt.
- Bild 1: Beide Größen der Mischdüsensets, links Handwaschbecken, rechts im Bild jenes für Badewannen. Sind diese verkalkt, Mischdüseneinsatz sichern und durch neuen ersetzen.
- Bild 2: Zerlegt man den Einsatz erhält man drei Metall und zwei Kunststoffgitter. Mindestens ein Metallgitter weist die rechtwinkelig angeordnete Gitterstruktur auf, hier vorne rechts im Bild.
- Bild 3: Entkalkt, gereinigt lassen sich mit zwei der geretteten Gitter die Lüftergrätings eines Panther abdecken.
- Bild 4: Da die Gitter sich nicht KORRODIEREN lassen, ist EINFÄRBEN die bessere Alternative. Diese Gitter liegen hier auf. Wer möchte, kann noch Schrauben o.ä. nachrüsten.
- Bild 5: Hier sind die Lüftergrätings ohne Metallgitter zu sehen.
Beide Conversion Sets passen ausgezeichnet und fügen sich bestens ein. Selbst die Antennen aus Metall sind den beiden Bausätzen beigegeben. Zusammengefügt steht dann ein außergewöhnliches Fahrzeug vor einem, das sich erst auf den zweiten Blick als Panther-Fahrgestell identifizieren läßt. Ein Selbstladeturm mit Hülsenauswurf am Turmheck, Nachsichteinrichtungen und mehr, alles in allem eine verblüffende Ähnlichkeit mit modernsten Kampfpanzern der Jetztzeit (6-8).
Kolorierung & Kennzeichnung
Die Kolorierung dieses „What-if“-Panthers sollte außergewöhnlich werden. Folglich erhielt er eine Grundierung mit Tamiya Primer in hellgrau (9). Mittels Tamiya Tape wurden über einen leicht aufgehellten olivgrünen Anstrich diverse und sich querende Streifen abgeklebt, das Geschützrohr ebenso, aber in spiralförmiger Weise (10).
Ich hätte es besser so lassen sollen, denn die Idee, in die hellgrauen Balken nunmehr an ein Leopardenmuster erinnernde Flecken zu „zaubern“, ging nach meinem Empfinden total schief (11). Ich sah in den Flecken schließlich eher ein „Blümchen-“ als ein Leopardenmuster.
Das galt es sofort und nachhaltig zu ändern.
Einzige Alternative aus meiner Sicht, ein schwarz-grünes Streifenmuster mit verwischten Übergängen von Farbe zu Farbe (12).
Dieser Tarnanstrich war britisch und eben jener der Britischen Rheinarmee ab der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Was lag also näher nunmehr diesem Panther auch britische Kennzeichen zu verpassen (13-18) ?
9) Damit die Haftgrundlage verbessert ist, nutzte ich den hellgrauen Tamiya Primer.
11) Jedoch erwies sich die Idee, ein Leopardenmuster per Hand in die hellgrauen Streifen zu setzen, kontraproduktiv. In meinen Augen entstand ein hierzu unbrauchbares Blümchenmuster.
Bilder 13 - 18: Der Panther erhielt britische Kennungen der „Berlin Brigade“, wie sie eigentlich für einen Centurion Mk V der C Squadron des 4th Royal Tank Regiment vorgesehen wäre.
Fazit
Missgeschicke können mitunter völlig neue Türen und Ausblicke öffnen. So entstand aus einem ursprünglich für deutsche Dienste vorgesehenen Zukunftsprojekt ein Beutestück der britischen Berlin Brigade. Fiktiv eben, dafür aber erst recht außergewöhnlich.
Der Panther war augenblicklich von der britischen Besatzungsmacht vereinnahmt und als Teil der „Berlin Brigade“ gekennzeichnet worden … was wäre wenn. „What-if“ eben.
Zurücklehnen und die Diashow geniessen von diesem einmaligen Fahrzeug.
Real-Historischer Kasten
Mit dem Angriff der Deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion stieß diese nicht nur auf große Geländeschwierigkeiten sondern auf eine stetig zunehmende Zahl an gegnerischen Panzer des für die russischen Verhältnisse optimierten Typs T-34. Die an der Ostfront kämpfende Truppe forderte daher die schnelle Entwicklung eines neuen Panzers, der es mit dem Gegner aufnehmen konnte. Die Firmen Daimler-Benz und MAN waren beauftragt, einen 30-35 t mittelschweren Kampfpanzer mit geneigten Panzerflächen und einer längeren 7.5cm Kanone zu entwickeln. Der MAN-Entwurf wurde nach Erprobungen demjenigen von Daimler-Benz vorgezogen und nach nur einem Jahr Entwicklung fertigten vier Herstellerfirmen den neuen Kampfpanzer V „Panther“, der den Standardkampfpanzer IV ablösen sollte. Nach dem Krieg wurden von den französischen Streitkräften zwei Einheiten mit erbeuteten Panther, Ausf. G, aufgestellt. Anfang Juni 1945 fertigten das Daimler-Benz-Werk in Berlin-Marienfelde für die Sowjetarmee aus vorhandenen Teilen einige Panther. Die britischen Streitkräfte ließen 1945–1946 zu Versuchszwecken bei der Firma MNH in Hannover noch neun Panther und zwölf Jagdpanther aus Restbeständen montieren.
Auf einen Blick
German Panther Type G
Kit: 35174 Massstab: 1/35 Hersteller: Tamiya
Kettenglieder für Panther G
Kit: 35171 Massstab: 1/35 Hersteller: Tamiya
Cast Panther F Hull
Kit: PPP 35030 Massstab: 1/35 Hersteller: Paper Panzer Productions (Produktion eingestellt)
Nothung Turret
Kit: PPP 35045 Massstab: 1/35 Hersteller: Paper Panzer Productions (Produktion eingestellt)
Bauzeit: ca. 48h Schwierigkeitsgrad: Mittel
Literaturempfehlung
- 1. "Der Panzerkampfwagen Panther und seine Abarten", Band 9 der Reihe Militärfahrzeuge, Walter J. Spielberger, Motorbuch Verlag
- 2. "Der Panther - Entwicklung - Ausführung - Varianten - Merkmale - Kampfwert", Thomas L. Jentz, Podzun - Pallas Verlag
- 3. "Der legendäre Panther - Ausführungen - Befehlspanther - Ausbildung - Tarnung - Einsätze", Bilddokumentation, Horst Riebenstahl, Podzun - Pallas Verlag 2001
































