Jubiläum 50 Jahre IPMS Sektion Bern

Besichtigung des Artilleriewerkes Faulensee (AWF) am 31. Oktober 2026

Bei schönem, aber kühlen Herbstwetter trafen wir uns an diesem Samstagmorgen im Restaurant Seeblick in Fulensee. Wir, dass waren 17 Mitglieder, welche bei Kaffee und Gipfeli nach der Begrüssung schon bald in angeregte Gespräche verwickelt waren und so gemütlich den Anlass starteten. Schon bald stieg aber die Spannung in Erwartung, was kommen wird, als wir uns auf den Weg zu unserem eigentlichen Ziel, dem Artilleriewerk Faulensee, machten.

Das von aussen unscheinbare Gebäude diente damals zur Anlieferung von Material und als Materiallager selbst. Der eingerichtete «Theoriesaal» befindet sich im Erdgeschoss, das Bistro mit offener Küche im ersten Stock ist über eine Holztreppe erreichbar. Raum für die Administration und Bedürfnisse des Vereins befindet sich, über eine weitere Holztreppe erreichbar, im zweiten Stock. Das Werk selber hat zwei unterschiedlich angeordnete Eingänge: Jener wie bereits erwähnt für die Materialanlieferung und einer für das Truppenpersonal in einem andern, ebenso unscheinbaren, Gebäude.

Nach der Begrüssung durch unsere zwei Guides, die Herren Santschi und Progin sowie Frau Schaller vom Bistro, ging es in den «Theoriesaal», welcher durch seine Ausstattung und vor allem auch durch den typischen Geruch uns Männer sofort an die Militärzeit erinnern liess. Im ersten erhielten wir einen Abriss zwischen der Zeit kurz vor dem ersten Weltkrieg bis zum Beginn des kalten Krieges nach dem zweiten Weltkrieg. Nebst international wichtigen Ereignissen rund um die Konflikte wurde auch die Rolle der Schweiz und deren Verteidigungsstrategie in dieser Zeit erläutert. Insbesondere auch die Strategie für das sogenannte Reduit und dessen Umsetzung. Dass die Schweiz nicht uninteressant war für fremde Mächte zeigt eine Karte der Region Thunersee des russischen Geheimdienstes mit kyrillisch geschriebenen Bezeichnungen.

Im zweiten Teil begaben wir uns, in zwei Gruppen aufgeteilt, durch den Materialliefereingang in das Innere des Werkes, welches innerhalb von 13 Monaten gebaut wurde und waren schon bald beeindruckt von den interessanten Ausführungen unseres Guides. Das AWF war Bestandteil eines ganzen Verteidigungskonzeptes rund um den Thunersee, welches wiederum Bestandteil des Reduits war. Hier befanden sich auch das Kommando und die Feuerleitstelle, welche aus den Informationen der Beobachter draussen im Gelände die notwendigen Daten für die Geschütze berechnete (Azimut, Neigungswinkel, Treibladung Geschosse etc.) und diese entsprechend an die Stellungen weiterleitete. Obwohl das ganze Werk nur mit den minimal absolut notwendigsten Einrichtungen (im Gegensatz zu den grossen Gebirgsfestungen) erstellt wurde, konnte die darin stationierte Besatzung den ihr erteilten Auftrag als selbstständige Einheit erfüllen. Wie spartanisch die Einrichtungen waren zeigen die Tatsachen, dass keine Duschen (nur Lavabos!) für die Körperhygiene vorhanden waren. Betten waren nur für ein Drittel der Besatzung vorhanden, da im Einsatz im Dreischichtbetrieb gearbeitet wurde.

Ein wichtiger Punkt der damaligen Zeit war u.a. auch die Geheimhaltung. Im Bereich des Truppeneingangs sind im Stollen Wegweiser angebracht, in welcher Richtung sich welche Geschütznummer befindet. Jedes Mitglied der Besatzung war einer Geschütznummer fest zugeteilt und kannte nur den Weg dorthin. Über die Lage der anderen Geschütze wusste es nichts. Somit war die Geheimhaltung über Grösse und Lage des Werkes gewährleistet.

Der Rundgang, ergänzt mit den zwei Vortragsblöcken, war sehr spannend, interessant, lehrreich und führte doch zu einigen AHA-Erlebnissen. 

Das anschliessende Raclette-Mittagessen im Bistro im ersten Stock des «Betriebsgebäudes» schmeckte mit erstklassigem Service hervorragend. Bei angeregten Gesprächen und interessanten Diskussionen über die vielen gesammelten Eindrücke verging die Zeit wie im Fluge.

Ein grosses Dankeschön an dieser Stelle an die Herren Santschi und Progin sowie Frau Schaller für die erstklassige und interessante Führung sowie den Superservice beim Mittagessen.


Weitere Infos finden sich unter folgendem Link: https://www.artilleriewerk-faulensee.ch


Text: Rolf Lüdi, IPMS Sektion Bern

Fotos: Peter Zingg, Marc - André Jäger und Andreas Lörtscher IPMS Sektion Bern